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ENTWICKLUNG  

Schon während der 6 Jahre dauernden Produktionspause von Motorrädern,in der sich die Firma Fisker & Nielsen A/S, Kopenhagen, auf die Herstellungund den Vertrieb der weltweit bekannten Nilfisk Staubsauger konzentrierte,
beschäftigten sich der Vater der "NIMBUS l", des legendären "Ofenrohres", 1918 - 1928 Herr P. A, Fisker und sein Sohn, Dipl. Ing. Anders Fisker, mit der Entwicklung des neuen Nimbus Motorrades.

Nimbus 1924 "Ofenrohr"
Der Vater hatte nie sein Interesse an Motoren verloren, der Sohn schon während des Studiums eine moderne 4-Zyl.-Maschine gezeichnet. Als eines Tages, im Jahre 1932, Fisker Senior diese Zeichnungen sah, wurde der Grundstein für die "NIMBUS II" gelegt.
Es begann eine enge Zusammenarbeit, wobei der Senior die meisten Konstruktionsarbeitenübernahm. Zeichnungen wurden immer wieder geändert, Einzelheiten diskutiert und jedes beschlossene Detail in Holz oder Eisen hergestellt und an einem Modell, welches im Keller der Familienvilla im Richsvej in Kopenhagen aufgestellt war, angebracht. Dieses Modell bekam nach und nach die Gestalt der heute bekannten "NIMBUS II".

Das Gestell aus Flachstahl mit starrem Hinterrad hatte zuerst eine verbesserte Vorderradgabel des "Ofenrohres". Diese wurde durch die Teleskopgabel ersetzt, welche gleichzeitig mit BMW konstruiert wurde, jedoch ohne daß man voneinander wußte. Waren zuerst 4 einzelne Zylinder vorgesehen, kam man unterdessen auf die Idee der 4 Zylinder in einem Block, dessen Guß seinerzeit echtes Neuland war. Die obenliegende Nockenwelle wurde zu der Zeit nur bei sehr teuren Rennmaschinen verwandt, hier jedoch als beste Lösung vorgesehen. Angetrieben wurde diese über Kurbelwelle, durch die senkrecht vor dem Zylinderblock stehende Lichtmaschine, für damalige Leistungen thermisch noch vertretbar.

Die Kurbelwelle wurde an beiden Enden in großen Kugellagern aufgehängt, diese zeigen auch die Grenzen der Leistung dieses 4-Zyl. 746 ccm Motors, d. h. 22 PS bei 4 500 U/min, mit einem Verdichtungsverhältnis von 5,7:1, die ersten Jahre nur 18 PS/4 000 U/min bei 5,0:1. Würde man dieses erhöhen, wären die Belastungsgrenzen der Kurbelwelle und der Weißmetall Pleuellager schnell erreicht, allerdings wurde ein Teil der Maschinen für die dänische Polizei mit einem Spezial Zylinderkopf und höherem Verdichtungsverhältnis ausgerüstet.
Während der Konstruktion wurden nur praktische und konstruktive Gesichtspunkte verwirklicht, nicht die Wünsche der Kunden. So gefährlich und absonderlich dieses heute auch scheint, es ging gut, die "neue Nimbus" kam gut an, als das Motorrad im April 1934, Fahrgestell Nr. 1301 vorgestellt wurde.
Nach und nach änderte sich diese Einstellung jedoch. Ab 1935 kamen die Farben "weinrot" und "grün" auf den Markt und 1937 kam die "NIMBUS-SPORT" mit blauem Lack, verchromtem Tank, verchromten Felgen und hochgelegtem, ebenfalls verchromten Auspuffrohr, außerdem, last not least. Fußschaltung anstelle des veralterten Systems der Fußkupplung und Handschaltung.

Die Firma Fisker & Nielsen A/S änderte in den Produktionsjahren 1934 bis zum Auslaufen 1960 viele Einzelteile, jedoch fast immer mit der Möglichkeit der Auswechselbarkeit wie z. B. Ersatzteile.
Es ist unschwer, sich die wirtschaftlichen Vorteile für den Kundenkreis damals, wie für alle NIMBUS-Freundevon heute vorzustellen. Die optisch deutliche Änderung war die Einführung der "hohen Teleskopgabel" 1948. 1950 die Gummiaufhängung anstatt Federn der Sättel.
Die letzte größere Änderung 1956 glückte nie ganz. Das "Luxus Modell" hatte gekapselte Ventile, Jedoch machte die Wärmeabfuhr und die Schmierung den Ventilfedern bzw. den Ventilführungen arg zu schaffen. Die Hinterradfederung, die Lieferkräder der Firma Fisker & Nielsen waren damit ausgerüstet, eine neue Steuerung der Gaswechsel in Kolben gelagert ohne Ventile, Nockenwelle und Kipphebel, lief auch im Versuch längere Zeit auf der Straße, sowie ein 2-Zyl. Prototyp (siehe Foto rechts), alles entworfen von Herrn Anders Fisker, kamen nie zur Serie.

Der steigende Automarkt, die sehr hohen, trotz Inlandsprodukt erhobenen Zollabgaben, führten zu sinkenden Absatzzahlen. Die weltweit steigenden Absatzzahlen der Staubsaugerproduktion bestärkte dann Fisker & Nielsen A/S in dem Entschluß, die Motorradproduktion einzustellen, allerdings tief die Ersatzteilfertigung erst noch weiter, um den Bedarf von 10 Jahren zu decken und die "NIMBUS"-Kunden zu versorgen.

Fabriknummer, d. h. Motornummern und Baujahre nach den Unterlagen von Fisker & Nielsen,
(von Nr. 1301 bis Nr. 13573 ist Gestellnummer und Motornummer gleich, ab Nr. 13573 folgt die Gestellnummer nicht mehr den Fabrikationsnummern, d. h. Motornummern).
Nr.  1301 bis Nr.   1500   Baujahr           1934
Nr.  1501 bis Nr.   1900   Baujahr           1935
Nr.  1901 bis Nr.   2600   Baujahr           1936
Nr.  2601 bis Nr.   3400   Baujahr           1937
Nr.  3401 bis Nr.   4300   Baujahr           1938
Nr.  4301 bis Nr.   5300   Baujahr           1939
Nr.  5301 bis Nr.   6000   Baujahr      1940 - 1944
Nr.  6001 bis Nr.   6400   Baujahr           1945
Nr.  6401 bis Nr.   7000   Baujahr           1946
Nr.  7001 bis Nr.   7500   Baujahr           1947
Nr.  7501 bis Nr.   8000   Baujahr           1948
Nr.  8001 bis Nr.   8800   Baujahr           1949
Nr.  8801 bis Nr.  9600    Baujahr           1950
Nr.  9601 bis Nr. 10350   Baujahr           1951
Nr. 10351 bis Nr. 11250  Baujahr           1952
Nr. 11251 bis Nr. 12100  Baujahr           1953
Nr. 12001 bis Nr. 12750  Baujahr           1954
Nr. 12751 bis Nr. 13500  Baujahr           1955
Nr. 13501 bis Nr. 13750  Baujahr           1956
Nr. 13751 bis Nr. 13850  Baujahr           1957
Nr. 13851 bis Nr. 13950  Baujahr           1958
Nr. 13951 bis Nr. 14000  Baujahr           1959
Nr. 14001 bis Nr. 14015  Baujahr           1960

Es wurden 12715 "NIMBUS II" gebaut, von denen heute noch ca. 33 % fahrbereit sind.
Die letzte Zahl ist ein deutlicher Beweis für die solide, verbraucherfreundliche Konstruktion.

Das Image der "NIMBUS II", d. h. strapazierfähig und zuverlässig, wurde oft bewiesen. 1935 fuhren Palle Huld und Elith Fors rund um das Mittelmeer 18 000 km. Ein Österreicher fuhr auf einer "NIMBUS" nach Siam, ein dänischer Ingenieur von Khartoun nach Nairobi usw.

Die 12715 Stück "NIMBUS II" wurden überwiegend auf dem dänischen Markt abgesetzt, ein Teil jedoch über die ganze Welt verstreut. Z. B. war das chinesische Heer an "NIMBUS" interessiert und erhielt 1937 drei Stück mit einer 20 mm Kanone auf dem Beiwagen montiert. Die größten Abnehmer waren das dänische Heer, die Post und die Polizei, aber auch Firmen, die ihren Versand innerhalb der Städte mit "NIMBUS" mit Lieferbeiwagen, also Lieferkrädern durchführten, zählten zu den Kunden neben unzähligen Privatpersonen.

Der Nimbus (Ansehen, Heiligenschein), den die "NIMBUS II" beim Schreiber dieser Zeilen hat, ist auf diesen Post- und Privatlieferkrädern basiert. Während einiger Ausbildungsjahre in Kopenhagen wurde das Taschengeld als "By bud" Stadtbote aufgebessert, also mit einem "NIMBUS"-Lieferkrad Waren zum Kunden gebracht; bei einer Stadt wie Kopenhagen rd. 200 km täglich. Wie die meisten der unzähligen "NIMBUS"-Lieferkradfahrer, sei es von der Post oder anderen Firmen, war auch der Schreiber dieser Zeilen s. Zt. jünger, der Fahrstil entsprechend. Diese "NIMBUS" jedoch machte alles ohne Murren mit, genau wie die der Kollegen, die bestimmt nicht sanfter mit ihren Maschinen umgingen.
Heute, 45 Jahre danach, steht diese "NIMBUS" in Hamburg und läuft immer noch...
Die königl. dän. Post benutzte noch lange diese Lieferkräder für die Briefkastenleerung, bis am 20.09.1976 die letzte Fahrt mit einer gelben Post-Nimbus in Kopenhagen durchgeführt wurde, diese letzte Maschine von ehemals 137 Stück ging als Schenkung an das Post- und Telegrafen-Museum.
In den letzten Jahren ist das Interesse an "NIMBUS"- Motorrädern in Dänemark, aber auch bei uns, sowie in anderen Ländern wieder sehr gestiegen, im Hamburger Raum sind mir 8 Maschinen bekannt, in der Bundesrepublik weitere rd. 250 verteilt, die sich mit NIMBUS-INFOS am Informationsaustausch beteiligen als lockere Gemeinschaft.

In Dänemark sind nach Angaben des Markenclubs "Danmarks Nimbus Touring" rund 4 000 Maschinen noch fahrbereit, viele davon 3040 Jahre alt "still going strong". Wir meinen, "NIMBUS" wird noch lange auf den Straßen fahren und wünschen allen "NIMBUS"- Freunden viel Freude bei diesem Hobby und gute Fahrt.

Abschließend meinen herzlichen Dank für die Hilfe bei der Suche nach "NIMBUS"'-Material an die Herren
Peder Fisker Knudsen, Fisker & Nielsen A/S, Kopenhagen
Axel W. Hansen, Söborg Kopenhagen
Poul Jörss, Kopenhagen
Carsten Nielsen, Aarhus Nimbus
Axel Villadsen, Kopenhagen
sowie dem Markenclub "Danmarks Nimbus Touring".

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